Jagd auch in der Corona-Krise unerlässlich

Dortmund, 19. März 2020 (LJV). Nordrhein-Westfalens Jägerpräsident Ralph Müller-Schallenberg hat heute in einem Brief an die NRW-Landesregierung erläutert, warum die Jagdausübung auch in der jetzigen Corona-Krise möglich sein muss. 

In einem Brief an Ministerpräsident Armin Laschet, die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz, Ursula Heinen-Esser, den Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Karl-Josef Laumann, sowie den Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, ruft Ralph Müller-Schallenberg dazu auf, Jägerinnen und Jäger generell von möglichen weitergehenden Beschränkungen, insbesondere einer Ausgangssperre, auszunehmen.

Im Zuge der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie werden aktuell sehr weitgehende Anordnungen getroffen, die das öffentliche Leben für eine Übergangszeit drastisch einschränken. Solche Maßnahmen sind sicherlich notwendig, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und den Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern. Manche Nachbarländer haben sogar allgemeine Ausgangssperren verhängt. 

Ralph Müller-Schallenberg bittet Politik und Behörden, Jägerinnen und Jäger generell von möglichen weitergehenden Beschränkungen, insbesondere einer Ausgangssperre, zu befreien.  

Die wichtige Arbeit der Jägerinnen und Jäger im Kampf gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) muss beispielsweise weiterhin uneingeschränkt möglich sein. Die ASP ist eine massive Gefahr für die Landwirtschaft sowie die nachgelagerten Veredelungsbetriebe. 

Gerade Nordrhein-Westfalen wäre durch einen ASP-Ausbruch ganz besonders betroffen. Neben den Schweinehaltern wären hier auch die zahlreichen fleischverarbeitenden Betriebe massiv in ihrer Existenz bedroht. Ein über die Corona-Folgen weit hinausgehender volkswirtschaftlicher Schaden wäre die Folge. 

Für Nordrhein-Westfalen ist insbesondere ein Eintrag der Afrikanischen Schweinepest vom betroffenen Gebiet in Belgien über Luxemburg nach Rheinland-Pfalz denkbar. Dort wurde zuletzt am 25. Februar 2020 ein ASP-Ausbruch gemeldet, das gefährdete Gebiet in Belgien ist ungefähr 40 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze. Aber auch von polnischer Seite droht die Gefahr der ASP. 

Das Friedrich-Loeffler-Institut stuft das Risiko eines Eintrags des Afrikanischen Schweinepest Virus durch Wildschweine aus den betroffenen Gebieten in Westpolen und Belgien nach Deutschland als hoch ein. 

Mit Blick auf drohende Wildschäden durch Wild an Grünland, Getreideschlägen und Gemüsekulturen ist eine flächendeckende, uneingeschränkte Jagdausübung in ganz Nordrhein-Westfalen im Rahmen des bisherigen gesetzlichen Rahmens weiterhin existenziell wichtig. 

Im Forst steht bedingt durch den Klimawandel sowie die Sturm- und Käferkalamitäten ein intensiver Waldumbau hin zu klimastabilen Baumarten mitten im Vollzug. Eine fortwährende intensive Bejagung der pflanzenfressenden Paarhufer ist für das Gelingen dieses Waldumbaus unerlässlich. Jägerinnen und Jäger in Nordrhein-Westfalen sind bereit, auch an dieser Stelle ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Jede Einschränkung des Jagdbetriebes führt hingegen in der Forstwirtschaft zu erheblichen Schäden. 

Aus Tierschutzgründen sowie aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sind auch Nachsuchen nach Wildunfällen weiterhin zwingend erforderlich. 

Kaninchen, Bisam und Nutria verursachen erhebliche Schäden an Uferböschungen und Deichanlagen, wenn ihre Bestände nicht intensiv und fortwährend reguliert werden. Gerade am Rhein ist die Sicherung der Deichanlagen für Millionen von Menschen überlebenswichtig. 

Die Jagd auf invasive gebietsfremde Arten (z. B. Waschbär und Nutria) ist aus Gründen des Artenschutzes geboten und durch EU-Recht zwingen vorgegeben (EU-Verordnung Nr. 1143/2014). Ebenfalls aus Gründen des Artenschutzes muss im Rahmen der Gesetze auch weiterhin die Bejagung von Raubwild als Fressfeinden seltener Arten möglich bleiben. 

Aus den genannten Gründen ist es unerlässlich, auch in der jetzigen Situation die Jagdausübung weiterhin uneingeschränkt zu ermöglichen.  

Derzeit finden in der Regel ohnehin keine Gesellschaftsjagden (Jagden, an denen mehr als vier Personen jagdlich zusammenwirken [ §17a LJG]) statt, sondern praktisch nur die Einzeljagd. Das Infektionsrisiko bezüglich SARS-CoV-2 tendiert dabei gegen null. Daher sollte die Jagd von weitergehenden Beschränkungen wie Ausgangssperren vollständig ausgenommen bleiben.

Aktuelle LJV-Infos zu Corona

Dortmund, 19. März 2020 (LJV). Terminabsagen und -verlegungen, wichtige Behördenhinweise sowie Konsequenzen für die Jagdpraxis. Auf einer eigens eingerichteten Sonderseite bietet der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen Jägerinnen und Jäger aktuelle Infos, die sich aus der Corona-Pandemie ergeben.

Hier der Link: https://www.ljv-nrw.de/inhalt/ljv/aktuelles/wichtige-informationen/5_8034.html

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